KI spart Zeit. Und jetzt? Warum wir Arbeit neu denken müssen.
- vor 17 Stunden
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Eine Harvard-Studie zeigt: Menschen mit KI arbeiten schneller. Teilweise deutlich schneller.
Das wird aktuell überall geteilt.
Und ja – das ist beeindruckend.
Aber die spannendere Frage ist nicht: „Wie viel Zeit sparen wir?“ Sondern: „Was passiert mit dieser Zeit?“
Die falsche Schlussfolgerung
Viele Organisationen lesen aus solchen Studien:
KI steigert Produktivität. Also können wir mehr Output erwarten.
Das ist nachvollziehbar. Aber gefährlich.
Denn hier passiert etwas, das wir selten aussprechen:
KI automatisiert zunehmend die einfachen, repetitiven Aufgaben. Was bleibt?
Entscheiden
Konzipieren
Analysieren
Schreiben
Strukturieren
Kreativ denken
Kurz: kognitive Höchstleistung.
8.24 Stunden Konzentration? Unrealistisch.
Unsere Arbeitsmodelle basieren noch immer auf:
täglicher Anwesenheit
8.24 Stunden
linearer Leistung
Ich kann nicht 8.24 Stunden kreativ und konzentriert arbeiten. Und ich kenne niemanden, der das kann.
Früher hatten wir im Büro natürliche Entlastungsphasen:
Kopieren
Akten sortieren
Dokumente ablegen
Routine-Erfassung
Diese Tätigkeiten waren nicht anspruchsvoll –aber sie waren mentale Pausen.
Heute?
Diese Aufgaben sind automatisiert. Und das ist gut.
Aber damit verschwindet auch der Erholungsraum im Arbeitsalltag.
KI erhöht nicht nur Tempo. Sie erhöht auch kognitive Last.
Wenn KI Routine übernimmt, steigt der Anteil an:
Denk-Arbeit
Kreativ-Arbeit
Bewertungs-Arbeit
Kontroll-Arbeit
Das ist anspruchsvoll.
Und das über 8.24 Stunden?
Das ist keine Effizienzsteigerung. Das ist Überforderung.
Arbeitgeberverantwortung in der KI-Ära
Wenn wir KI einsetzen, tragen wir als Arbeitgeber Verantwortung.
Nicht nur für Datenschutz und Sicherheit. Sondern auch für:
mentale Belastung
Fokusfähigkeit
nachhaltige Leistungsfähigkeit
Vielleicht müssen wir uns fragen:
Sind 8.24 Stunden Wissensarbeit noch zeitgemäss?
Messen wir Präsenz statt Wirkung?
Planen wir bewusst Erholungsräume ein?
Vielleicht braucht es:
fokussierte Arbeitsblöcke
weniger Meeting-Dichte
realistische Output-Erwartungen
kürzere, aber intensivere Arbeitsfenster
hybride Leistungsmodelle
KI zwingt uns, das Thema Arbeitszeit neu zu denken.
Zweites Thema: KI-Kompetenz als neue Grundanforderung
Früher stand in Stellenanzeigen:
„Office-Kenntnisse erwünscht. ECDL von Vorteil.“
Und heute? Wo steht:
KI-Kompetenz
Automatisierungsverständnis
Prompt-Design
kritische Bewertung von KI-Outputs
Umgang mit Agenten
Wir erwarten diese Fähigkeiten oft stillschweigend.
Aber wir definieren sie nicht.
Die grosse Lücke
Es gibt viele KI-Kurse. Viele Zertifikate. Viele Angebote. Aber:
Wie stark befähigen sie wirklich?
Sind sie praxisnah?
Sind sie nachhaltig?
Ein CAS in KI an einer Fachhochschule ist wertvoll. Aber nicht skalierbar für die breite Arbeitswelt. Wir brauchen:
niederschwellige Befähigungsprogramme
praxisnahe Anwendungsszenarien
kontinuierliches Update-Lernen
interne Ambassadoren
reale Use-Case-Trainings
Und ja – vielleicht irgendwann ein Äquivalent zum ECDL für KI.
Aber noch sind wir nicht dort.
KI ist nur der Anfang
Automatisierungen. Agenten. Vibe Coding. No-Code-Plattformen. Das verändert:
Kompetenzprofile
Führungsrollen
Teamdynamiken
Leistungsdefinition
Die eigentliche Transformation ist nicht technisch.
Sie ist strukturell.
Drei unbequeme Fragen
Ist es realistisch, 8.24 Stunden Hochfokus von Wissensarbeitenden zu erwarten?
Wie definieren wir KI-Kompetenz künftig in Stellenausschreibungen?
Wie schützen wir Mitarbeitende vor kognitiver Dauerbelastung in einer automatisierten Welt?
Unser Standpunkt
Chancen? Ja. Produktivitätsgewinne? Ja. Risiken? Ebenfalls ja.
Aber die grösste Gefahr ist nicht die Technologie. Sondern dass wir Arbeitsmodelle nicht anpassen, während sich die Arbeit fundamental verändert. Wenn KI uns Zeit spart, dann sollten wir diese Zeit nicht einfach mit mehr Output füllen. Sondern mit:
Qualität
Reflexion
Fokus
nachhaltiger Leistung
KI ist kein Beschleuniger um jeden Preis. Sie ist ein Hebel. Und wir entscheiden, wie wir ihn einsetzen.





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