„Mit KI gemacht?“ – Warum wir genauer hinschauen sollten
- vor 5 Stunden
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Transparenz ist wichtig. Aber Pauschalurteile schaden. Wer mit KI arbeitet, stellt nichts auf Autopilot – er oder sie nutzt Werkzeuge bewusst. Zeit, Sprache und Bewertung dafür zu schärfen.
Ich bin kürzlich über eine Grafik gestolpert, die ich sehr gelungen finde. Sie differenziert, wie KI in der Entstehung von Texten, Bildern oder Konzepten eingesetzt wurde – von „KI-frei“ bis „KI-automatisiert“.
Warum das wichtig ist: Die Frage „Mit KI gemacht?“ wird heute oft wie ein Gütesiegel oder Makel verwendet. Entweder bewundernd – oder abwertend. Beides greift zu kurz.
Das Grundproblem: Alles wird über einen Kamm geschoren
In vielen Köpfen gilt noch immer:
„Mit KI erstellt = weniger wert.“
Das ist verständlich, aber falsch.
Denn mit KI arbeiten bedeutet nicht:
alles automatisch generieren
ungeprüft publizieren
Verantwortung abgeben
In der Praxis bedeutet es oft:
lange Iterationen
sauberes Anlernen von Tools
Kontextaufbau
bewusste Tool-Auswahl
kritische Prüfung und Überarbeitung
Oder anders gesagt:KI ist kein Autopilot. KI ist ein Werkzeug.
Und wie bei Werkzeugen gilt:
Für eine Schraube braucht es keinen Hammer.Und ein Nagel leidet unter einem Schraubenzieher.
Eine sinnvolle Differenzierung: Wie stark war KI beteiligt?
Die Grafik, die ich gefunden habe, schlägt eine Skala vor – und die halte ich für sehr hilfreich. Übersetzt in unsere Praxis bei Digital Skill sieht das so aus:
1) KI-frei
Keine KI-Beteiligung
Klassische Recherche, eigene Formulierungen
KI weder zur Idee noch zur Ausführung genutzt
➡️ selten, aber weiterhin relevant
2) KI-unterstützt
KI liefert Impulse, Recherche-Ansätze, Brainstorming
Der Mensch entscheidet und formuliert vollständig selbst
➡️ KI als Werkzeug
3) KI-kollaboriert
Ursprungsidee beim Menschen
Iterativer Dialog mit KI
Substanzieller Beitrag beider Seiten
➡️ KI als Sparringpartner / Co-Autor
4) KI-kuratiert
KI erstellt einen vollständigen Entwurf
Mensch überarbeitet inhaltlich, sprachlich und strukturell
➡️ KI als Ghostwriter, Mensch als verantwortliche Instanz
5) KI-generiert
KI führt den Auftrag vollständig aus
Mensch prüft, gibt frei oder verwirft
➡️ KI als Produzent, Mensch als Editor
6) KI-automatisiert
Vollständige Delegation
z. B. Agenten, Workflows, Hintergrundprozesse
Mensch greift nur in Ausnahmefällen ein
➡️ KI als System, nicht als Autor
Warum diese Differenzierung wichtig ist
Nicht aus akademischen Gründen. Sondern aus Fairness und Klarheit.
Sie schafft:
Transparenz, ohne zu diskreditieren
Vertrauen, ohne sich rechtfertigen zu müssen
Klarheit über Urheberschaft
eine Grundlage für faire Leistungsbewertung
Und sie hilft, eine überholte Debatte zu verlassen:
„KI oder Mensch?“
Die richtige Frage ist:
Wie wurde KI eingesetzt – und wer trägt die Verantwortung?
Wie wir bei Digital Skill künftig kennzeichnen
Wir werden unsere Arbeiten bewusst und differenziert kennzeichnen – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung.
Empfohlene Kennzeichnung (Beispiele)
Text: „KI-kollaboriert (Konzept & Redaktion: Mensch, Sparring & Iteration: KI)“
Bild: „KI-generiert, manuell kuratiert und final geprüft“
Präsentation: „KI-unterstützt in Recherche und Struktur, Inhalte redaktionell überarbeitet“
Automatisierung: „KI-automatisiert, Prozessdesign und Governance durch Digital Skill“
Kurz, ehrlich, ohne Drama.
Und jetzt zum Elefanten im Raum: der Wert
Ein Text, ein Konzept oder ein Bild wird nicht weniger wertvoll, nur weil KI beteiligt war.
Wert entsteht durch:
Klarheit
Kontext
Zielgruppenverständnis
Verantwortung
und die Fähigkeit, das richtige Werkzeug für die richtige Aufgabe zu wählen
KI kann das beschleunigen. Sie kann es nicht ersetzen.
Fazit
Transparenz gehört sich. Aber sie braucht Sprache und Differenzierung.
Wenn wir anfangen, sauber zu benennen, wie KI eingesetzt wurde, können wir endlich aufhören, über ihren Wert zu streiten –und anfangen, über Qualität, Wirkung und Verantwortung zu sprechen.
Klassifikation dieses Beitrags
KI-kollaboriert Idee, Haltung und Struktur: Sandro - Dialog, Präzisierung und sprachliche Iteration: KI - Finale Verantwortung und Redaktion: Sandro





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