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KI-Enabling statt KI-Kurs: Warum Organisationen eigene Anwendungsfälle (Use-Case) brauchen

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Viele Organisationen stehen heute an einem ähnlichen Punkt.

KI ist bekannt. Die ersten Tools wurden ausprobiert. Einige Mitarbeitende nutzen ChatGPT, Copilot, Claude oder Gemini bereits regelmässig. Andere sind neugierig, aber unsicher. Wieder andere warten ab.


Und trotzdem bleibt oft dieselbe Frage:

Was machen wir jetzt konkret damit?

Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem klassischen KI-Kurs und echtem KI-Enabling.

Ein Kurs erklärt ein Tool. Enabling befähigt eine Organisation, eigene Anwendungsfälle zu erkennen, zu bewerten und umzusetzen.

Das ist ein grosser Unterschied.

KI ist nicht mehr nur ein Tool-Thema

In vielen Gesprächen höre ich immer wieder ähnliche Sätze:

„Wir sollten auch etwas mit KI machen
„Unsere Mitarbeitenden nutzen KI teilweise schon, aber wir wissen nicht genau wie.“
„Wir brauchen zuerst Regeln.“
„Wir möchten konkrete Use Cases finden.“
„Wir wollen nicht einfach einen Hype mitmachen.“

Alle Aussagen sind berechtigt.

Denn KI ist nicht einfach ein weiteres Programm, das man erklärt und danach ist die Sache erledigt.

KI verändert:

  • wie wir schreiben

  • wie wir recherchieren

  • wie wir Entscheidungen vorbereiten

  • wie wir Wissen strukturieren

  • wie wir Prozesse hinterfragen

  • wie wir mit Routineaufgaben umgehen

Deshalb reicht es nicht, nur Funktionen zu zeigen.

Es braucht einen Rahmen, in dem Menschen verstehen, ausprobieren, reflektieren und eigene Anwendungsfälle entwickeln können.


Warum klassische KI-Schulungen oft zu kurz greifen

Viele KI-Schulungen beginnen mit Tools.

Was ist ChatGPT? Was ist Copilot? Wie funktioniert Prompting? Was kann Gemini? Was ist Claude? Was ist ein gutes Prompt-Template?

Das ist nicht falsch.

Aber es bleibt oft zu weit weg vom Alltag.

Nach solchen Schulungen gehen Teilnehmende häufig inspiriert zurück an den Arbeitsplatz. Doch nach wenigen Tagen stellt sich die Frage:

Und jetzt?

Wo genau setze ich KI ein? Welche Daten darf ich verwenden? Wann ist ein Ergebnis gut genug? Wie prüfe ich Antworten? Wo liegen Risiken? Welche Aufgaben lohnen sich überhaupt?

Genau an dieser Stelle braucht es mehr als eine Tool-Demo.

Es braucht Befähigung.


KI-Enabling bedeutet: vom Ausprobieren zur Anwendung

Ein gutes KI-Enabling-Format hat nicht das Ziel, möglichst viele Tools vorzustellen.

Das Ziel ist, Menschen und Organisationen arbeitsfähig zu machen.

Es geht darum, dass Teilnehmende am Ende nicht nur sagen:

„Das war spannend.“

Sondern:

„Diese drei Aufgaben kann ich ab morgen anders lösen.“

Oder noch besser:

„Wir wissen jetzt, welche Use Cases für unsere Organisation relevant sind, welche Risiken wir beachten müssen und wie wir die nächsten Schritte angehen.“

Das ist der eigentliche Wert.


Der Fokus liegt auf echten Aufgaben

KI wird dann nützlich, wenn sie an konkreten Aufgaben eingesetzt wird.

Zum Beispiel:

  • ein Protokoll aus Notizen erstellen

  • eine komplexe Information verständlich formulieren

  • eine E-Mail vorbereiten

  • eine Entscheidungsgrundlage strukturieren

  • eine Richtlinie zusammenfassen

  • eine Präsentation gliedern

  • Fragen aus einem Dokument ableiten

  • einen Prozess auf Vereinfachung prüfen

  • Bürgerinformationen in klare Sprache übersetzen

  • interne Kommunikation vorbereiten

Das sind keine Zukunftsvisionen.

Das sind Aufgaben, die heute in vielen Organisationen täglich vorkommen.

Und genau dort entsteht Wirkung.


Ein gutes KI-Enabling verbindet drei Ebenen

Aus meiner Sicht braucht ein wirksames KI-Enabling immer drei Ebenen.

1. Orientierung

Die Teilnehmenden müssen verstehen, worum es geht.

Nicht technisch bis ins letzte Detail. Aber ausreichend, um Chancen und Grenzen einordnen zu können.

Dazu gehören Fragen wie:

  • Was ist generative KI?

  • Was kann sie gut?

  • Wo ist Vorsicht nötig?

  • Warum entstehen Fehler?

  • Was bedeutet Halluzination?

  • Welche Rolle spielt Kontext?

  • Warum braucht es Quellenprüfung?

  • Welche Daten dürfen genutzt werden?

Ohne diese Orientierung bleibt KI entweder Magie oder Risiko.

Beides ist nicht hilfreich.

2. Anwendung

Danach muss KI praktisch erlebt werden.

Nicht mit abstrakten Beispielen, sondern mit Aufgaben aus dem eigenen Alltag.

Hier zeigt sich sehr schnell, wo der Nutzen liegt.

Eine gute Übung ist nicht:

„Schreibe einen Text über Digitalisierung.“

Eine gute Übung ist:

„Nutze diese interne Notiz und erstelle daraus eine Entscheidungsgrundlage für die nächste Teamsitzung. Gut ist die Antwort, wenn Optionen, Risiken und offene Fragen klar sichtbar sind.“

Das ist ein anderer Anspruch.

Und genau hier merken Teilnehmende, was gute KI-Arbeit ausmacht.


3. Übertragung

Der wichtigste Schritt kommt am Ende.

Die Frage lautet:

Was machen wir damit in unserer Organisation?

Hier entstehen die eigentlichen Ergebnisse:

  • erste Use Cases

  • priorisierte Anwendungsfelder

  • Risiken und offene Fragen

  • mögliche Regeln

  • Ideen für Pilotprojekte

  • Bedarf an Unterstützung

  • mögliche Ambassadoren

  • nächste konkrete Schritte

Das ist der Unterschied zwischen Inspiration und Umsetzung.


Warum unterschiedliche Vorkenntnisse kein Problem sein dürfen

In jedem KI-Workshop sitzen Menschen mit sehr unterschiedlichem Vorwissen.

Einige nutzen KI täglich. Einige haben erste Tests gemacht. Einige sind skeptisch. Einige sind unsicher. Einige haben noch nie ein KI-Tool geöffnet.

Ein gutes Enabling-Format muss alle abholen.

Nicht, indem man alles auf das tiefste Niveau reduziert. Sondern indem man Aufgaben so gestaltet, dass alle daran wachsen können.

Ein Beispiel:

Die Aufgabe „Erstelle aus diesem Text eine verständliche Bürgerinformation“ funktioniert für Anfängerinnen und Fortgeschrittene.

Anfängerinnen lernen, wie man Kontext und Ziel formuliert. Fortgeschrittene arbeiten an Tonalität, Struktur, Zielgruppe und Qualität. Führungspersonen erkennen, wo Standards und Konventionen nötig sind.

Gute Aufgaben skalieren mit dem Erfahrungsstand.


Prompting ist nicht der Hauptzweck, aber ein wichtiger Hebel

Natürlich gehört Prompting dazu.

Aber nicht als Sammlung von Zauberformeln.

Nicht:

„Diese 50 Prompts musst du kennen.“

Sondern:

Prompting als gutes Delegieren.

Ein brauchbarer Arbeitsauftrag an KI besteht meist aus:

  • Kontext

  • Ziel

  • Erfolgskriterien

  • Format

  • Grenzen

Beispiel:

Nutze dieses Sitzungsprotokoll. Erstelle daraus ein Entscheidungsbriefing für eine Führungsperson mit wenig Zeit. Gut ist die Antwort, wenn Empfehlung, Risiken, offene Fragen und nächste Schritte sichtbar sind. Maximal 7 Bulletpoints. Wenn etwas unklar ist, markiere es.

Das ist kein Prompt-Trick.

Das ist ein klarer Arbeitsauftrag.


Use Cases identifizieren: Der wichtigste Output

Der vielleicht wichtigste Teil eines KI-Enabling-Workshops ist nicht die Schulung selbst.

Es ist die Use-Case-Arbeit.

Denn viele Organisationen wissen grundsätzlich, dass KI Potenzial hat. Sie wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen.

Darum braucht es eine strukturierte Sicht auf mögliche Anwendungsfälle.

Typische Fragen sind:

  • Welche Aufgaben wiederholen sich häufig?

  • Wo schreiben wir immer wieder ähnliche Texte?

  • Wo entstehen viele Rückfragen?

  • Wo suchen wir lange nach Informationen?

  • Wo müssen Dokumente gelesen, verglichen oder zusammengefasst werden?

  • Wo entstehen heute Medienbrüche?

  • Wo braucht es bessere Entscheidungsgrundlagen?

  • Wo wäre Unterstützung hilfreich, aber nicht kritisch riskant?

Daraus entsteht eine erste Use-Case-Liste.

Diese wird bewertet nach:

  • Nutzen

  • Aufwand

  • Risiko

  • Datenlage

  • Umsetzbarkeit

  • Akzeptanz

  • Wiederholbarkeit

So wird aus „Wir sollten etwas mit KI machen“ ein konkreter Arbeitsplan.


Ohne Konventionen wird es schnell chaotisch

KI-Enabling ohne Spielregeln ist gefährlich.

Nicht dramatisch gefährlich. Aber organisatorisch unsauber.

Wenn alle einfach loslegen, entstehen schnell Probleme:

  • sensible Daten landen in ungeeigneten Tools

  • Ergebnisse werden ungeprüft übernommen

  • Prompts bleiben privat und gehen verloren

  • Teams arbeiten unterschiedlich

  • niemand weiss, was erlaubt ist

  • niemand weiss, was ein gutes Ergebnis ist

Darum gehört zu jedem KI-Enabling auch eine erste Diskussion über Konventionen.

Zum Beispiel:

  • Welche Tools dürfen wir nutzen?

  • Welche Daten sind tabu?

  • Wann brauchen wir Quellenprüfung?

  • Wann gilt das 4-Augen-Prinzip?

  • Wie kennzeichnen wir KI-unterstützte Inhalte?

  • Wo sammeln wir gute Prompts?

  • Wer hilft bei Fragen?

  • Welche Use Cases wollen wir zuerst testen?

Das muss kein 40-seitiges Dokument sein.

Oft reicht eine klare Seite.

Hauptsache, sie ist verständlich und wird genutzt.


Warum kleine Gruppen besser funktionieren

KI-Enabling lebt von Austausch, Fragen und konkreter Anwendung.

Darum sollte ein solches Format bewusst klein gehalten werden.

Nicht als Massenveranstaltung. Nicht als Webinar mit 80 Personen. Nicht als reiner Vortrag.

Sondern als Arbeitsformat, in dem echte Aufgaben bearbeitet werden.

Nur so können Teilnehmende:

  • eigene Fragen stellen

  • individuelle Beispiele einbringen

  • Unsicherheiten offen ansprechen

  • Ergebnisse vergleichen

  • gemeinsam Use Cases bewerten

Das ist wichtig.

Denn KI-Kompetenz entsteht nicht durch Zuhören.

Sie entsteht durch Anwenden.


Warum Coaches laufend lernen müssen

Ein weiteres wichtiges Element: KI-Enabling kann nicht statisch sein.

Die Tools ändern sich laufend.

Was vor sechs Monaten ein guter Tipp war, kann heute überholt sein.

Neue Modelle. Neue Funktionen. Neue Risiken. Neue Möglichkeiten. Neue Integrationen.

Darum müssen Coaches laufend testen, einordnen und übersetzen.

Nicht alles, was neu ist, ist relevant. Nicht alles, was beeindruckend ist, ist nützlich. Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll.

Gute Begleitung bedeutet deshalb:

  • Entwicklungen beobachten

  • Tools praktisch testen

  • Hype von Nutzen trennen

  • Risiken einordnen

  • Beispiele aktuell halten

  • Inhalte laufend weiterentwickeln

Genau das macht den Unterschied.


Wie ein KI-Enabling bei Digital Skill aussehen kann

Ein praxistaugliches KI-Enabling könnte so aufgebaut sein:

Tag 1: Verstehen und Anwenden

  • Grundlagen generativer KI

  • Chancen und Grenzen

  • Datenschutz und verantwortungsvolle Nutzung

  • Prompting als Arbeitsauftrag

  • Arbeiten mit verschiedenen KI-Tools

  • Übungen mit realen Aufgaben

  • Reflexion: Was funktioniert, was nicht?

Tag 2: Use Cases und Umsetzung

  • Anwendungsfälle aus dem eigenen Alltag sammeln

  • Nutzen, Risiko und Aufwand bewerten

  • erste Use Cases testen

  • Konventionen und Spielregeln formulieren

  • nächste Schritte priorisieren

  • mögliche Ambassadoren identifizieren

Der Fokus liegt nicht auf perfekter Theorie.

Der Fokus liegt auf Arbeitsfähigkeit.


Was nach dem Workshop vorhanden sein sollte

Nach einem guten KI-Enabling stehen nicht einfach ein paar schöne Folien im Raum.

Es sollte etwas Greifbares entstehen.

Zum Beispiel:

  • eine priorisierte Liste mit KI-Use-Cases

  • erste getestete Prompts

  • ein gemeinsames Verständnis von Chancen und Grenzen

  • klare Regeln für den Start

  • Hinweise zu Datenschutz und Qualität

  • erste Beispiele aus dem eigenen Arbeitsalltag

  • nächste Umsetzungsschritte

  • mögliche Rollen für Ambassadoren

Das ist der eigentliche Mehrwert.


Discovery-Fragen für Organisationen

Wer über KI-Enabling nachdenkt, kann mit diesen Fragen starten:

  • Welche drei Aufgaben kosten uns heute unnötig viel Zeit?

  • Wo schreiben, prüfen oder strukturieren wir immer wieder ähnliche Inhalte?

  • Wo entstehen viele Rückfragen oder Missverständnisse?

  • Welche Daten dürfen wir sicher mit KI bearbeiten, welche nicht?

  • Welche KI-Tools nutzen Mitarbeitende heute bereits informell?

  • Wo brauchen wir klare Konventionen?

  • Welche Use Cases könnten wir innerhalb von 30 Tagen testen?

  • Wer könnte intern als Ambassadorin oder Ambassador wirken?

  • Woran würden wir erkennen, dass KI uns wirklich hilft?

  • Welche Aufgabe wäre ein guter erster Pilot?

Diese Fragen öffnen oft mehr als jede Tool-Demo.


Standardisiert, aber nicht von der Stange

Ein KI-Enabling-Format sollte aus meiner Sicht standardisiert genug sein, damit es Orientierung gibt.

Aber individuell genug, damit es zur Organisation passt.

Der Aufbau kann standardisiert sein:

  • Grundlagen

  • Anwendung

  • Use Cases

  • Konventionen

  • nächste Schritte

Die Inhalte müssen aber aus der Organisation kommen.

Denn ein Workshop für eine Gemeinde sieht anders aus als einer für ein KMU. Ein Führungsteam braucht andere Beispiele als ein Supportteam. Eine Verwaltung hat andere Risikofragen als ein Marketingteam.

Darum ist der beste Ansatz:

Standardisiertes Grundformat. Individuell angewendet.


Fazit

Viele Organisationen brauchen nicht noch eine KI-Demo.

Sie brauchen Befähigung.

Sie brauchen einen Raum, in dem Mitarbeitende verstehen, ausprobieren, reflektieren und eigene Anwendungsfälle entwickeln können.

Genau darum geht es bei KI-Enabling.

Nicht um Hype. Nicht um Tool-Show. Nicht um perfekte Theorie.


Sondern um die Frage:

Wie nutzen wir KI heute sinnvoll, sicher und wirksam in unserer Arbeit?

Und genau dort beginnt der nächste Schritt.


Digital Skill

pragmatisch · sicher · messbar

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